Kein anderer Schauspieler schafft auf der Leinwand, was Al Pacino schafft. Sobald er in einem Film seine erste Szene hat, stockt mir vor Begeisterung der Atem. Er ist der einzige Charakterdarsteller, dessen Kunst und Fähigkeit als Schauspieler dieselben Emotionen in mir hervorruft wie ein guter Song. Und er tut es (auch wie ein guter Song) mit ein und demselben Film immer und immer wieder, egal wie oft man ihn gesehen hat. So z.B. in “Im Auftrag des Teufels”, dessen besten Monolog ich ja schon mehrmals in diesem Blog gepostet habe.
Was nur wenige wissen: ich bin ein Filmfreak. Und wenn ich sage Filmfreak, dann meine ich, mich mit allen Details und Einstellungen auseinanderzusetzen und auf den Schnitt zu achten, die Musik, die Beleuchtung, die Namen der Kameramänner, einfach alles. Ich kenne nicht alle, aber sicher sehr sehr viele Filme, oft nicht die neusten, meist die unbekannten. Wie viel Arbeit so ein Film ist, macht mich manchmal wahnsinnig vor Bewunderung. Was außerdem wohl nur eine Hand voll Menschen weiß: wenn man mich fragen würde, wen ich gerne einmal treffen würde, wenn ich die Möglichkeit hätte mit irgendeinem, noch lebenden, schwer “erreichbaren” Menschen einen Tag zu verbringen, dann wäre es Alfredo James Pacino. Ich weiss, dass das nie wohl nie passieren wird, aber wie gern würde ich (nachdem ich seine Biografie und ein Interviewbuch von ihm gelesen habe) etliche Fragen zu seiner Arbeit stellen, die in ihrer Leidenschaft und ihrer emotionalen Herausforderung so vergleichbar mit der Liebe zur Musik ist.
Warum ich ihn so verehre ist so subjektiv, dass ich es gar nicht aufzählen kann. Aber ich kann machen, dass ihr euch auch verliebt.
Im Rahmen einer der, meiner Meinung nach, besten Interviewreihen aller Zeiten namens “Inside the Actor’s Studio” stellt der amerikanische Schriftsteller und Schauspieler James Lipton etlichen berühmten und spannenden Persönlichkeiten aus der Filmwelt so sagenhaft simple und unaufdringliche Fragen, dass sich die einzelnen, oft introvertierten, Gäste plötzlich völlig unerwartet und ungezwungen in einem Gespräch über ihre Ängste, Fehler, Intimitäten und Erfahrungen wiederfinden, ohne schamlos exponiert zu werden. Wahrscheinlich kommen sie deswegen auch wirklich ALLE zu Lipton. ALLE.
So auch der Meister vor einigen Jahren. Das Interview hat mehrere Teile und ist komplett auf Youtube zu finden. Man muss nur den Link unten ansehen und auf Teil 2 im Player klicken, sobald der Teil zu Ende ist. (Tipp für unerfahrene Surfer)
Bitte seht es euch an. Ihr werdet gut unterhalten und es geniessen.
Solltet ihr ebenfalls zu den gesegneten Menschen gehören, die eine dieser edlen, wunderbaren Künste wie Musik oder Schauspiel oder Malerei ihren Lebensinhalt nennen und somit zu dem Kreis gehören, der für seine Liebe zur Kunst einen Teil seiner Seele preiszugeben bereit ist, dann werdet ihr von ihm lernen. Und ihr werdet wieder stolz darauf sein von eurem Bauchgefühl zu leben und von Inspirationen und von Eindrücken und Emotionen, auch wenn es grad hart sein mag oder andere um euch herum mit ihrem 9 to 5-Job mehr Geld verdienen. Besonders seid Ihr. Und ohne Euch wär es dunkel. Denn ihr schafft Hoffnung. Was könnte ehrenhafter sein.
Wie Goethe in “Die Wahlverwandtschaften” schrieb:
Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst. Und man verknüpft sich nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst.






