Archive for the ‘Film’ Category

Kunst ist das Leben- Leben ist Kunst… Al Pacino.

Tuesday, November 3rd, 2009

al_pacino_by_mark_seliger

Kein anderer Schauspieler schafft auf der Leinwand, was Al Pacino schafft. Sobald er in einem Film seine erste Szene hat, stockt mir vor Begeisterung der Atem. Er ist der einzige Charakterdarsteller, dessen Kunst und Fähigkeit als Schauspieler dieselben Emotionen in mir hervorruft wie ein guter Song. Und er tut es (auch wie ein guter Song) mit ein und demselben Film immer und immer wieder, egal wie oft man ihn gesehen hat. So z.B. in “Im Auftrag des Teufels”, dessen besten Monolog ich ja schon mehrmals in diesem Blog gepostet habe.

Was nur wenige wissen: ich bin ein Filmfreak. Und wenn ich sage Filmfreak, dann meine ich, mich mit allen Details und Einstellungen auseinanderzusetzen und auf den Schnitt zu achten, die Musik, die Beleuchtung, die Namen der Kameramänner, einfach alles. Ich kenne nicht alle, aber sicher sehr sehr viele Filme, oft nicht die neusten, meist die unbekannten. Wie viel Arbeit so ein Film ist, macht mich manchmal wahnsinnig vor Bewunderung. Was außerdem wohl nur eine Hand voll Menschen weiß: wenn man mich fragen würde, wen ich gerne einmal treffen würde, wenn ich die Möglichkeit hätte mit irgendeinem, noch lebenden, schwer “erreichbaren” Menschen einen Tag zu verbringen, dann wäre es Alfredo James Pacino. Ich weiss, dass das nie wohl nie passieren wird, aber wie gern würde ich (nachdem ich seine Biografie und ein Interviewbuch von ihm gelesen habe) etliche Fragen zu seiner Arbeit stellen, die in ihrer Leidenschaft und ihrer emotionalen Herausforderung so vergleichbar mit der Liebe zur Musik ist.

Warum ich ihn so verehre ist so subjektiv, dass ich es gar nicht aufzählen kann. Aber ich kann machen, dass ihr euch auch verliebt. ;-)

Im Rahmen einer der, meiner Meinung nach, besten Interviewreihen aller Zeiten namens “Inside the Actor’s Studio” stellt der amerikanische Schriftsteller und Schauspieler James Lipton etlichen berühmten und spannenden Persönlichkeiten aus der Filmwelt so sagenhaft simple und unaufdringliche Fragen, dass sich die einzelnen, oft introvertierten, Gäste plötzlich völlig unerwartet und ungezwungen in einem Gespräch über ihre Ängste, Fehler, Intimitäten und Erfahrungen wiederfinden, ohne schamlos exponiert zu werden. Wahrscheinlich kommen sie deswegen auch wirklich ALLE zu Lipton. ALLE.

So auch der Meister vor einigen Jahren. Das Interview hat mehrere Teile und ist komplett auf Youtube zu finden. Man muss nur den Link unten ansehen und auf Teil 2 im Player klicken, sobald der Teil zu Ende ist. (Tipp für unerfahrene Surfer) :-) Bitte seht es euch an. Ihr werdet gut unterhalten und es geniessen.

Solltet ihr ebenfalls zu den gesegneten Menschen gehören, die eine dieser edlen, wunderbaren Künste wie Musik oder Schauspiel oder Malerei ihren Lebensinhalt nennen und somit zu dem Kreis gehören, der für seine Liebe zur Kunst einen Teil seiner Seele preiszugeben bereit ist, dann werdet ihr von ihm lernen. Und ihr werdet wieder stolz darauf sein von eurem Bauchgefühl zu leben und von Inspirationen und von Eindrücken und Emotionen, auch wenn es grad hart sein mag oder andere um euch herum mit ihrem 9 to 5-Job mehr Geld verdienen. Besonders seid Ihr. Und ohne Euch wär es dunkel. Denn ihr schafft Hoffnung. Was könnte ehrenhafter sein.

Wie Goethe in “Die Wahlverwandtschaften” schrieb:

Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst. Und man verknüpft sich nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst.

Eine Verdammt Coole Sau… (X-Mas Kästchen 22)

Tuesday, December 23rd, 2008

Bild 8 Foto: Brinkmann

Ich liebe meine Arbeit zum einen, weil sie erst eine Leidenschaft und dann mein Beruf war. Ich glaube diese Reihenfolge lässt einen auch in harten Zeiten am Ball bleiben. Wie Thomas Godoj eben. Ohne Plan B. :-) Zum anderen ist es unfassbar toll, wieviele Menschen man in diesem Job trifft, die ein ähnliches verrücktes Feuer in sich haben und für ihre Kunst “brennen”.

Ben Becker ist so ein Mensch. Ich habe ihn letztes Jahr kennengelernt, als ich begann bei seiner Lesung der Bibel im Background zu singen. Fair ist er. Vom Kabelträger bis zum Regisseur bringt er allen Mitarbeitern denselben Respekt entgegen. Er ist sich für keinen Spass zu schade, vorausgesetzt er kann dich leiden. Ist das der Fall, zeigt er es gern. Grosszügig und herzerwärmend. Eitel ist er und auf eine herrliche Weise ehrlich. Aber das Beste: er hat einen so dermaßen trockenen Humor, dass sogar bei einer Bibel-Lesung Backstage manchmal kein Auge trocken bleibt. Aber ernstnehmen tut er das, was er tut . Immer. Und darum ist er so erfolgreich damit. Seine Stimme-ohne Worte. 

Für all jene die die Bibellesung von Ben Becker verpasst haben (und somit auch u.a. Celina Bostic und mich als “braven Gospelchor”) , der kann an Weihnachten RTL anmachen.

Die Bibel – Erstausstrahlung:
RTL, 25.12., 00:15 Uhr

Wiederholung:
n-tv, 26.12., 15:30 Uhr

Und wer sich meinen Lieblingsfilm mit Ben in der Hauptrolle ansehen will, möge sich bitte aus der Videothek “Ein ganz gewöhnlicher Jude” von Oliver Hirschbiegel ausleihen. 1,5 Stunden allein vor der Kamera. Ein Monolog. In einer einzigen Wohnung. Keine grossen Szenenwechsel. Und Ben?

Faszinierend.

Langweilig wird einem mit ihm nie.

Einfach ganz gross.

“Ah..Iraaaaan!?…also biste Araberin, ja?” (X-Mas Kästchen 14)

Monday, December 15th, 2008

Bild 8 

Ja, Unwissenheit ist menschlich. In der Unwissenheit verharren wollen ist es in Anbetracht der Häufigkeit dieses Phänomens bei uns Menschen wohl auch. Aber ersteres ist absolut entschuldbar, wenn letzteres nicht zutrifft. Mich zu fragen, wo Iran liegt, ist legitim, das erste Mal. Mich zu fragen, ob ich Schweinefleisch esse ebenso. Beim 2. oder 3. Mal frage ich mich nämlich dann auch schon, ob der Fragende eigentlich darauf bedacht ist, wirklich etwas zu lernen oder ob er/sie es nur darauf anlegt, seine Klischees bestätigt zu finden, nach dem Motto: wenn ich lang genug frage, ist sie sicher zuhause unterdrückt worden oder hat mit ihren Eltern gebrochen, damit sie Lieder wie “Spank dat Ass” singen darf. Muahahhahaaaa… ;-) Kleiner Scherz.. Ich glaube einfach nur, dass man manche Fragen einfach nicht mehr stellen muss, wenn man ein generell wissbegieriger und interessierter Mensch ist und dass man selbst in dem Fall, dass man sich die “Blöße der Unwissenheit” geben muss (was in unserer Besserwisser-Gesellschaft wirklich Grösse erfordert) immer durchschimmern lässt, zu welcher Spezies Mensch man gehört. Fragen wie: “Wie kommt es, dass du so gut Deutsch kannst?” lassen uns Personen eher der Kategorie “Wer SO fragt, bleibt dumm” als “Wer NICHT fragt, bleibt dumm” zuordnen.

Zum Thema Iran kann man aufgrund der häufig negativ besetzten Medienpräsenz viele legitime Fragen haben. Sicher hat das auch Marjane Satrapi so empfunden und deshalb einen Comic über dieses Land gezeichnet. In ihrem Werk Persepolis, welches 2007 verfilmt wurde, beschreibt sie liebevoll und herzzerreissend ihre eigene Kindheit im politisch explosiven Iran der Schah-Zeit, ihre Wahrnehmung der Umstände während ihrer Jugend, ihren Kulturschock während des Studiums in Österreich, ihre Sehnsucht nach einem nicht mehr existenten Iran der Kindertage, ihre Heimkehr, ihren Schmerz, ihre Zerissenheit, ihren Identitätskonflikt. Dieser Film bedeutet mir mehr, als jeder andere Film, weil ich die Geschichte meiner Eltern in diesem Film wieder finden durfte, weil ich unter Tränen ihren Weg nachvollziehen durfte und überwältigt sein durfte, von dem Stolz und der Dankbarkeit, die ich in diesem Moment empfinden konnte. 

Ich bitte Euch diesen Film zu sehen. Denn zum einen lernt man dieses Land Iran etwas näher kennen und zum anderen kann man sich von dieser Geschichte sehr mitreissen lassen, ganz gleich welchen Ursprungs man selbst ist. Es ist eine menschliche und wunderschöne Geschichte. Es ist ein Comic. Und witzigerweise berührt es genau deswegen so. Mit echten Darstellern hätte es wohl nie auf diese Weise funktioniert. Und mit der wundervollen Synchronstimme von Jasmin Tabatabai ist wirklich alles perfekt. 

Hier der Trailer:


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