Posts Tagged ‘Iran’

Khaled Hosseini oder Warum ich bin wie ich bin

Saturday, October 17th, 2009

119762406593840800

Ein gutes Buch ist wie ein gutes Lied. Man kann es nicht nur ein Mal geniessen. Man liest es ein zweites, manchmal auch drittes Mal (wenn es sich doch nur so leicht konsumieren liesse, wie ein 4min.song!), weil man das Gefühl wieder erleben will, das es in einem auslöst.

Mir ist es im Leben sehr oft passiert, dass mich Bücher berührt, bewegt, erschüttert, belehrt haben. Als Kind habe ich unendlich viel vorgelesen bekommen und ich habe unendlich viel gelesen, woher sicher auch meine Liebe zur Sprache erwachsen ist. Dann habe ich das Lesen vernachlässigt. Ich habe, getrieben von innerer Unruhe, oft die ersten 20 Seiten überflogen und unkonzentriert Sätze wiederholt lesen müssen, bis ich dann doch, willensschwach, der Versuchung der leichten, drögen Unterhaltung des Internet oder TV nachgab.

Lesen kann man verlernen. Davon bin ich überzeugt, weil es mir passiert ist. Aber wenn ich eines mit Sicherheit weiss, dann auch, dass es nur eines einzigen Satzes bedarf, um wieder genau dorthin zu gelangen, wo man einst aufgehört hatte.

Dieser eine Satz war vor ein paar Jahren dieser Satz:

“An einem eiskalten, bedeckten Wintertag des Jahres 1975 wurde ich - im Alter von zwölf Jahren - zu dem, der ich heute bin.”

Der erste Satz von Khaled Hosseinis Debutroman “Drachenläufer” leitete eine Geschichte ein, die mich, so geschwollen und dramatisch es sich anhören mag, VERÄNDERT hat. Weil ich Dinge verstehe, weil mir Worte angeboten wurden, um Gefühle zu benennen, die ich vorher nicht beschreiben konnte.

Es ist die Geschichte des afghanischen Jungen Amir, die Geschichte einer Freundschaft, eines grossen Verrats, der Schuldgefühle und die Geschichte des unendlichen Leides Afghanistans und wohl ein Synonym für alle anderen kriegsgebeutelten Regionen der Erde. Und es ist eine Geschichte über Vaterliebe.

In dieser Woche habe ich dieses Buch zum dritten Mal gelesen. Das Schöne am Lesen, genau wie der Musik und anderen Künsten, ist die Berechtigung zur SUBJEKTIVEN WAHRNEHMUNG. Warum ich dieses Buch so liebe, warum ich es nach dem Lesen nicht nur zuklappe, sondern fast behutsam in den Händen halte, warum ich sogar schon den Buchdeckel heimlich geküsst habe, kann ich wirklich nur mit meinen ganz EIGENEN Gefühlen erklären.

Afghanen sprechen die Sprach meiner iranischen Eltern. Sie sprechen Farsi, in einem abgeänderten Dialekt. Reden sie schnell und undeutlich kann ich sie kaum verstehen (ähnlich wie ein Berliner einen Bayer ;-) ) , aber geschriebene Worte sind die gleichen. Auch in der deutschen Übersetzung des Buches werden viele Sprichworte, Redewendungen, Spitznamen, Flüche und Namen beibehalten, sodass sich in mir in Teilen das Gefühl einstellte, ich würde meinen Verwandten zuhören. Die Bildhaftigkeit der Sprache ist wohl ebenfalls eine Eigenschaft, die der Literatur der Region des Nahen Ostens nachgesagt werden kann. Wie es Hosseini gelingt, Situationen des grössten emotionalen Konfliktes fast fotographisch detailliert in Worten zu beschreiben, sodass einem das Blut in den Adern gefriert, dass man sich dabei erwischt, den Atem angehalten zu haben, sucht wirklich seinesgleichen. Das die im Buch beschriebene Ungerechtigkeit sich in mir beim Lesen praktisch PHYSISCH bemerkbar macht, lässt mich wohl- masochistischerweise- immer wieder zu diesem Buch greifen, ungläubig, dass es mir auch beim dritten Mal wieder so zusetzen würde. Aber dem ist so.

Entscheidend für meine Wahrnehmung ist das Gefühl, dass mich die Art der Liebe, die Art der Gefühlsäusserungen des Romans an die Liebe meiner Eltern erinnert. Dass die Geschichte vom Verlust einer Heimat, das Zurücksehnen an einen Ort, der so wie er war, nicht mehr existiert und die damit verbundene Melancholie etwas ist, was ich mit meiner Muttermilch aufgesogen zu haben scheine und was mir die Augen meines Vaters in manchen Stunden ohne ein Wort zu erzählen versuchen.

Ein zerstörtes Afghanistan gleicht einem zerstörten Iran, einem zerstörten Bosnien-Herzegowina, einem zerstörten Tschetschenien. Wie auch immer die Zerstörung zustande gekommen sein mag und ich welcher Form sie auch immer Ausdruck gefunden hat, die Geschichten bleiben die gleichen. Von Kratern in der Erde von Srebrenica wo einst die Kirche stand, in der sich die Grosseltern das Jawort gaben. Von hohen Gefängnismauern in Teheran, hinter welchen gefoltert wird, auf dem selben Grundstück, wo einst die Grundschule meines Vater stand. Oder, wie im “Drachenläufer”, ein Fussballfeld, auf welchem ein Liebespaar öffentlich hingerichtet wird, wo einst Amir und sein Freund Hassan ihre Drachen steigen liessen.

Mein Vater ist gestern in Rente gegangen. Mit 65. Er ist mit Anfang 20, mit meiner Mutter und meinem 1-jährigen Bruder nach Deutschland gekommen, um seiner Familie eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Er hat seine Eltern zurückgelassen. Er hat soviel getan. Und er ist alt geworden. Manchmal nimmt er das Leben schwer, dann denkt er gescheitert zu sein, ist geplagt von Dingen, die er denkt ANDERS oder BESSER gemacht haben zu müssen. Und dann muss man ihn lassen und dann ist er mit einem Mal stolz. Auf meinen Bruder, den wunderbaren Dr. Shakeri. Sein Junge. Und sogar auf mich, das Küken. Sein “Juju”. Das Musik macht. Und so lange durchhält bis ihr Album endlich kommt. ;-) Und am meisten darauf, dass er irgendwie geschafft hat, dass die, in seinen Augen “schönste Frau der Welt” nach 40 Jahren noch immer nicht von seiner Seite weicht und verliebt in ihn ist. Irgendwann und ich glaube, es dauert nicht mehr lang, will ich seine und ihre Geschichte erzählen. Ich will ein Buch schreiben und ich weiss, dass die Worte und Gedanken dafür täglich in mir heranreifen.

Ich habe ihn gestern abend aus Spanien, wo ich gerade zum texten hingefahren bin, angerufen. Ich hatte so viel zu sagen. Und das Wichtigste habe ich gesagt:

Du hast alles richtig gemacht. Du bist mein Baba..Mein Babajoon. Ich danke dir. Für jeden Tag.

Und wie im “Drachenläufer” hat er sinngemäss auf Farsi zu mir gesagt:

“Für dich-tausendmal.”

Iran- Meine Sicht…

Monday, August 17th, 2009

Bild 8

Natarsid! Habt keine Angst. Die Demonstrationen auf den Strassen Irans geben den Solidaritätsbekundungen weltweit den Ton vor. Verrückt, denke ich. Kann ich, bei einer Lichterkette am Berliner Kudamm wirklich mit mir vereinbaren diese Rufe zu wiederholen? Habe ich denn überhaupt eine Vorstellung, was es bedeutet für seine Freiheit sein Leben zu riskieren? Darf ich in meinen Parolen die Dreistigkeit besitzen die jungen Menschen dazu zu ermutigen auch am morgigen Tage in den Kugelhagel der Sittenpolizei des Iran zu laufen, um den Aufstand dort aufrecht zu erhalten? Die Worte „Wir sind alle beisammen“ wollen nicht über meine Lippen. Eher möchte ich rufen: Ich bewundere euren Mut. Ihr kämpft gegen Etwas, dessen Existenz Ihr nicht zu verschulden habt. Ihr seid die Kinder eurer Eltern und bereit ihren Kampf zu kämpfen. Ihr rührt mich zu Tränen, in eurem friedlichen Protest, in eurem Einfallsreichtum und der Fähigkeit Euch Technologie zunutze zu machen, um Eurem Leid auch weltweit ein Gesicht zu verleihen. Vielen Menschen scheint es hier ähnlich zu gehen wie mir. Vielen sicher auch aus dem Grund, dass die persönliche Freiheit und Selbstverwirklichung aufgrund Eures Beispieles wieder demütig als ein Luxus wahrgenommen wird und die legitime Einforderung von Menschenrechten uns dazu zwingt Euer Echo zu sein. Als Kind iranischer Eltern mischt sich in meine Emotionen noch ein anderes Sentiment. Das der Sehnsucht. Nach einer Form von Gerechtigkeit, die das erneute Auszählen der Wahlstimmen und Presse- und Meinungsfreiheit bei weitem überschreitet.

Ebenso verschuldet durch die unreflektierten Staatsoberhäupter der iranischen Regierung seit mehreren Jahrzehnten, als auch die Dämonisierung des Landes und seiner Bevölkerung durch die westlichen Medien im Zeitalter des Islam-Ressentiments, blieb es auch mir nicht erspart, in persönlichen Gesprächen im Bekanntenkreis, mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. Deren Aushebelung erwies sich meist als heikles Unterfangen, da meine Sicht der Dinge oft unterbewusst als eine „subjektive und emotional gefärbte“ keine adäquate Glaubwürdigkeit zu vermitteln vermochte. Hatte ich auch noch so oft zu erklären versucht, dass die iranische Bevölkerung eine weltoffene, zu 70% aus unter 30-jährigen bestehende, in der Mehrheit gebildete und friedfertige sei, standen mir die rhetorischen Knieschüsse Ahmadineschads und der an seiner Aufrüstungspolitik manifestierte Gefahrenherd wie Totschlagargumente gegenüber. Wie gebildet könne ein Volk sein, das solch einen Vertreter habe? Siehe Bush, erwidert mein emotionaler Hitzkopf.

Seit Juni diesen Jahres hat sich nun viel verändert. Nicht nur in meinem Ursprungsland, auch an den Konversationen. Das Interesse am Iran ist gewachsen, es werden Parallelen gezogen und Sympathien bekundet, wo zuvor Skepsis und Argwohn mitschwangen. Wissenslücken werden durch neugierige Fragen gefüllt. Der Aktivismus der iranischen Opposition wird mit Bewunderung gewürdigt und es wird endlich die Differenzierung vorgenommen, von welcher Instanz das Unrecht ausgeht. Es wird zugegeben, dass man überrascht darüber sei wieviele Millionen nicht konform mit der Regierung seien. Erleichterung macht sich in mir breit. Man hat Euch gehört.

Fragt man Euch danach, was Euch und das Land Iran ausmacht, antwortet Ihr mit einer Aufzählung der Dichter, Philosophen, Historie und wissenschaftlichen Errungenschaften der persischen Kultur. 539 vor Christus verfasste Perserkönig Kyros der Grosse ein Manifest, in welchem er die Völker ermunterte in Frieden zu leben, zusammenzuhalten und die unterschiedlichen Kulturen und Traditionen zu respektieren. Als eine der ersten Menschenrechtserklärungen wurde der Kyros-Zylinder 1971 von der UNO in alle Arbeitssprachen übersetzt.

Und heute beruft Ihr Euch auf diesen Teil Eurer Geschichte. Auf Religionsfreiheit, Demokratie, Toleranz. Kein Ahmadineschad, aber auch kein Mussawi wird dem gerecht werden können wonach Ihr Euch sehnt. Der Widerstand hat längst die Grenzen der Parteien- oder Personengebundenheit überwunden, es zeigen sich durch Euren Einsatz ernsthafte Risse in der Theokratie. Tagtäglich scheinen die Machthaber Irans in ihrem verzweifelten Ringen um den Machterhalt fatalere Fehler zu begehen als am Vortag. Die Destabilisierung des Regimes schreitet voran. Wissend um Eure Macht, wird darum stündlich versucht Euren Protest mit Mord, Verhaftungen, Folter, Vergewaltigungen und Drohungen niederzuschlagen. Im Minutentakt werden auf Twitter Warnungen verschickt, man solle auch im Ausland bei Eurer Unterstützung zur eigenen Sicherheit in die Anonymität abtauchen, um keine Probleme mit iranischen Behörden zu bekommen oder gar Angehörige im Land zu gefährden.

Angst wird geschürt. Sie soll lähmen und mundtot machen. Ich hadere mit mir, meinen Namen unter den Artikel zu schreiben. Haben sie gewonnen? Nein, schreit mein Herz. In all meiner Machtlosigkeit, meinem tatenlosen Zusehen aus der Ferne, stehe ich in Eurer Schuld. Wir sehen Euch, wir können Euch hören. Jede Nacht sind wir in Gedanken bei Euch. Ihr habt uns verändert. Natarsid, sage ich leise und senke demütig den Kopf.

Jasmin Shakeri

DAS HIER IST MIR WIRKLICH WICHTIG!!!! ACHTUNG ACHTUNG!

Wednesday, August 5th, 2009

augenblickfreiheit_flyer_vorne_drittel

Ich war gestern Abend TROTZ DES SCHÖNEN WETTERS im Kino, weil ein Film VORpremiere hatte, welchen ich mir unbedingt ansehen musste! “Ein Augenblick Freiheit” ist der erste Spielfilm des österreichischen Filmregisseurs iranischer Abstammung namens Arash. T. Riahi, der zuvor mit Dokumentationen oder Musikvideos in Verbindung gebracht wurde. In diesem Film, dessen Vollendung, wie ich in einem Gespräch nach der Vorführung erfahren durfte, SECHS JAHRE dauerte, erzählt Riahi die Geschichte zweier (und somit repräsentativ für Tausende andere Schicksale) Familien, welche aus dem Iran der Gegenwart zu fliehen versuchen, um im Ausland ein besseres Leben zu beginnen. Der Film schafft jedoch mit Leichtigkeit die einengenden Kategorisierungen als “Flüchtlingsdrama” binnen Sekunden zu sprengen. Er ist mehr als das. Es ist ein Film FÜR die Menschlichkeit. Es werden Fragen aufgeworfen, für die das eigene gerechte Herz keine Antworten finden kann. Und im nächsten Moment zerreisst es einem das Herz, dass Freiheit in unserer Welt ein Luxus ist, der nur wenigen zusteht. Für mich lag die grösste Stärke in der Verbindung aus Komik und Tragik. Wie in jeder Tragödie Shakespeares ist man nach heftigen Szenen erleichtert wieder kurz im Lachen aufatmen zu können, weil man sonst vor lauter Mitgefühl zu ersticken droht. Ausserdem seine Macht der Bilder. Durch die Zeit, die sich der Regisseur für die liebevollen Details genommen hat, wird man wieder daran erinnert, dass die grösste Herausforderung eines Regisseurs für die Realisierung des Drehbuchs darin liegt “beobachten” zu können.

Ein Freund spielt auch hier eine ergreifende Rolle, Navid Akhavan. Seine Vielseitigkeit als Darsteller hat er nun im letzten Monat mit gleich zwei Kinofilmen in Folge unter Beweis stellen können. Nach der Liebeskomödie “Salami Aleikum” spielt er nun in diesem Film. Als Deutsch-Iraner ist es für Navid eine andere Sache, Filme auf Deutsch zu spielen oder in seiner Muttersprache Farsi. Die Gestiken und Mimiken verändern sich mit den Sprachen. Die Körperhaltung verändert sich. Es ist beeindruckend an Navids Filmen zu sehen, wie ZWEI HERZEN IN EINER BRUST schlagen können.

Ich habe schon viel zu viel geredet und das Wichtigste nicht gesagt und könnte euch soviel über diesen Film und seine Wirkung berichten, euch sagen, was für wunderbare Menschen der Regisseur Arash, die Schauspieler Payam Madjlessi und Navid Akhavan sind und darüber wie sie sich beim Dreh gefühlt haben, aber

ICH BITTE EUCH DIESEN FILM ZU SEHEN!!

ICH BITTE EUCH VON GANZEM HERZEN DIESEN FILM NOCH IN DER ERSTEN WOCHE ZUSEHEN, WEIL ER SICH AUCH IN DEUTSCHLAND IN DEN KINOS HALTEN SOLL!!

ER LÄUFT AM 13. AUGUST AN!!! NOCH IN SEHR WENIGEN KINOS (IN BERLIN WIRD ER IM “CENTRAL”, “MOVIEMENTO” UND “FILMKUNST 66″ GEZEIGT!!!) ER LÄUFT IM ORIGINAL MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN UND ES IST IN KEINER WEISE ANSTRENGEND, DA DIESE GESCHICHTE EINE UNIVERSELLE IST.

DIESER FILM BRAUCHT UNSERE UNTERSTÜTZUNG!

FAKT IST: SIEHT MAN DIESEN FILM IST MAN VERLIEBT..ER HAT BIS ZUM HEUTIGEN TAGE BEI 15 FESTIVALS 22!!!! PREISE BEKOMMEN!!! LEIDER WISSEN NUR WENIGE HIER DAVON. BITTE NEHMT EURE FREUNDE UND FAMILIE MIT. IHR WERDET ES NICHT BEREUEN! WENN IHR FILME WIE “PERSEPOLIS” ODER “BABEL” GEMOCHT HABT, IST DIESER FILM FÜR EUCH GEMACHT.

DAS BEEINDRUCKENDSTE: ARASH T. RIAHI HAT DEN FILM ZU EINEM PERFEKTEN ZEITPUNKT FERTIGGESTELLT. GERADE JETZT, WO SICH DIE LAGE IN IRAN POLITISCH ZUSPITZT UND DER RUF NACH FREIHEIT NICHT MEHR ABZUEBBEN SCHEINT.

DANKE

Dear-Diary: Was sich unter der Oberfläche verbirgt aka. Das perfekte Sonntags-Shooting

Monday, March 2nd, 2009

Auch ich wurde von sehr netten Menschen von The Clones und LeRemake unter die 25 Menschen gewählt, die für New Era zu den “spannenden” Persönlichkeiten verschiedenenster Bereiche gehören. Natürlich fühl ich mich geehrt, besonders weil viele andere Personen, die für ein Buch fotografiert wurden, sehr talentiert und toll sind.

Gestern früh war ich an der Reihe. Bin nach Kreuzberg gefahren zu der Fotografin Julia Schoierer. Ich muss dazu sagen, dass ich Julia und ihre Schwester Laura über die Beathoavenz kennengelernt hatte vor einiger Zeit und sie nicht wirklich gut kenne, aber immer sehr nett fand. Man könnte es als oberflächliche, aber sympathische Bekanntschaft bezeichnen. Fakt ist, ich hab mich total aufs Shooting gefreut.

Und da saßen wir dann am Sonntag. Und redeten. Und redeten. Und redeten. Und äääähm…redeten. “Ich schmink mich ma kurz” sag ich…und dabei…redeten wir. Ehrlich gesagt, haben wir uns besser kennengelernt..sehr schnell..und irgendwie vertraut…Dann haben wir Bilder geschossen..Es sind TOOOLLE FOTOS geworden, weil gutes Klima..gutes Auge die Dame…Dabei haben wir: GEREDET…

Was ich vorher von ihr wusste:

Julia hat eine Schwester: Laura. Laura hat uns fürs Studio ihren Kühlschrank vermacht. Julia liebt Turnschuhe. Julia mag Kunst.

Aber wie sehr Julia und Laura sich lieben, wie doll Julia der Kunst wirklich verfallen ist und wie ihre etlichen Turnschuhe das Uninteressanteste an ihrer wundervoll intelligenten Persönlichkeit sind, das hab ich gestern erfahren. 

Der unheimlichste Moment war wohl dieser:

Ich lasse mir ihre Fotos/Werke zeigen..

Sie zeigt mir das erste Bild…

Mir stockt der Atem..ernsthaft..ich krieg fast keine Luft mehr..Gänsehaut..ein Bild von ihrer Grossmutter, Mutter ud Schwester, ein Generationenbild..

Ich springe auf, hole meinen Laptop, öffne ein Foto, welches meine unfassbar begabte Freundin Anne Wilk vor Jahren (ohne Licht etc. in meinem Zimmer) gemacht hat..Im selben Jahr wie das Foto von Julia entstand..2005..

Jeder der mich kennt, weiss, wie sehr mir meine im Iran lebende Großmutter fehlt, wie schmerzlich es ist..

Ich zeige es Julia…

…und ich glaub..in dem Moment war uns beiden für ein paar Minuten nicht mehr nach Reden.

Danke für den Tag..die Spannendste ist dann wohl die Fotografin selbst..

Jasmin

Bild 7

Bild 10
 

Hab es bis jetzt noch nicht verdaut…puh..

“Ah..Iraaaaan!?…also biste Araberin, ja?” (X-Mas Kästchen 14)

Monday, December 15th, 2008

Bild 8 

Ja, Unwissenheit ist menschlich. In der Unwissenheit verharren wollen ist es in Anbetracht der Häufigkeit dieses Phänomens bei uns Menschen wohl auch. Aber ersteres ist absolut entschuldbar, wenn letzteres nicht zutrifft. Mich zu fragen, wo Iran liegt, ist legitim, das erste Mal. Mich zu fragen, ob ich Schweinefleisch esse ebenso. Beim 2. oder 3. Mal frage ich mich nämlich dann auch schon, ob der Fragende eigentlich darauf bedacht ist, wirklich etwas zu lernen oder ob er/sie es nur darauf anlegt, seine Klischees bestätigt zu finden, nach dem Motto: wenn ich lang genug frage, ist sie sicher zuhause unterdrückt worden oder hat mit ihren Eltern gebrochen, damit sie Lieder wie “Spank dat Ass” singen darf. Muahahhahaaaa… ;-) Kleiner Scherz.. Ich glaube einfach nur, dass man manche Fragen einfach nicht mehr stellen muss, wenn man ein generell wissbegieriger und interessierter Mensch ist und dass man selbst in dem Fall, dass man sich die “Blöße der Unwissenheit” geben muss (was in unserer Besserwisser-Gesellschaft wirklich Grösse erfordert) immer durchschimmern lässt, zu welcher Spezies Mensch man gehört. Fragen wie: “Wie kommt es, dass du so gut Deutsch kannst?” lassen uns Personen eher der Kategorie “Wer SO fragt, bleibt dumm” als “Wer NICHT fragt, bleibt dumm” zuordnen.

Zum Thema Iran kann man aufgrund der häufig negativ besetzten Medienpräsenz viele legitime Fragen haben. Sicher hat das auch Marjane Satrapi so empfunden und deshalb einen Comic über dieses Land gezeichnet. In ihrem Werk Persepolis, welches 2007 verfilmt wurde, beschreibt sie liebevoll und herzzerreissend ihre eigene Kindheit im politisch explosiven Iran der Schah-Zeit, ihre Wahrnehmung der Umstände während ihrer Jugend, ihren Kulturschock während des Studiums in Österreich, ihre Sehnsucht nach einem nicht mehr existenten Iran der Kindertage, ihre Heimkehr, ihren Schmerz, ihre Zerissenheit, ihren Identitätskonflikt. Dieser Film bedeutet mir mehr, als jeder andere Film, weil ich die Geschichte meiner Eltern in diesem Film wieder finden durfte, weil ich unter Tränen ihren Weg nachvollziehen durfte und überwältigt sein durfte, von dem Stolz und der Dankbarkeit, die ich in diesem Moment empfinden konnte. 

Ich bitte Euch diesen Film zu sehen. Denn zum einen lernt man dieses Land Iran etwas näher kennen und zum anderen kann man sich von dieser Geschichte sehr mitreissen lassen, ganz gleich welchen Ursprungs man selbst ist. Es ist eine menschliche und wunderschöne Geschichte. Es ist ein Comic. Und witzigerweise berührt es genau deswegen so. Mit echten Darstellern hätte es wohl nie auf diese Weise funktioniert. Und mit der wundervollen Synchronstimme von Jasmin Tabatabai ist wirklich alles perfekt. 

Hier der Trailer:


Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Technorati Profile